Markus Sterna, seit einem Jahr aktiver PVler, nahm sich in seinem Urlaub den "Aletsch-Halbmarathon" in der Schweiz vor und finshte die gigantisch schöne, aber auch anstrende Bergstrecke in 3:15 Stunden. Hier seine Eindrücke:

 

Grundsätzlich reizte es mich, einfach mal den schönsten Halbmarathons Europas kennenzulernen. Als Hobbyläufer mit einem Faible für Geländeläufe kenne ich ja schon den Rothaarsteig-Marathon im Sauerland als schönsten Lauf NRWs. Nun bin ich mit 92 kg und als Gelegenheitsläufer nicht der „typische“ Bergläufer. Spaß macht es trotzdem, denn hier ist für mich „der Weg das Ziel“. Daher war der „Aletsch-Halbmarathon“ ein Muss auf meiner ToDo-Liste. Allerdings mit fast 800 km Entfernung nichts für ein Wochenende, also ist Urlaub angesagt. Die Anreise mit meiner Lebensgefährtin erfolgte somit bereits eine Woche vor dem Lauf. Mit einer Zwischenübernachtung in Freiburg oder Karlsruhe zum Beispiel lässt sich die Reise gut aufteilen. Fantastisch auch der Weg durch die Alpen, auch wenn die Fahrt als „Städter“ über die Bergstraße etwas ungewohnt ist. Dann vorbei an idyllischen Dörfern und Landschaften. Übrigens lag auch das Dorf „Münster“ auf dem Weg. Dann Ankunft in der Talstation Betten (die auch irgendwie per Bahn aus Deutschland erreichbar ist) und das Auto parken, da die „Bettmeralp“ autofrei ist.

 

Teure Schweiz

Ach ja, billig ist die Schweiz nicht. Hoch geht es die 1.000 Meter hinauf zum Ort per Seilbahn für 20 Franken (incl. Rückfahrt) in 7 Minuten. 40 Franken für die Maut, parken an der Talstation je Tag für 10 Franken. Ok…die Schweizer verdienen ca. das Doppelte wie wir und über das Preisniveau relativiert sich das für die Schweizer. Allerdings nicht für uns Urlauber. Eine Bratwurst mit Pommes für 18 Franken sind nun mal über 15 €. Aber wir sind vorbereitet, denn im Gepäck ist auch eine Kühltasche und genug um sich die Woche selber zu versorgen. Letztlich sind aber auch 2 Supermärkte vorhanden die jeden Tag geöffnet haben. Nach der Auffahrt geht es ins Chalet oder die Ferienwohnung (ca. 60-80 Franken je Nacht). Man geht auf den Balkon und nun beginnt der Urlaub mit dem Blick über das wunderschöne Tal.

Bei dem ersten Rundgang durch die Ortschaft Bettmeralp, die als Wintersportort gerade erst aus dem Frühjahrsschlaf erwacht, merkt man die 2.200 Meter ü.N., denn die Luft ist dünn und kleine Anstiege schon mühsam. Das gibt sich aber nach 2 - 3 Tagen. Und das ist gut so, denn der Wettergott gönnt uns sonnige Tage und somit wandern wir stundenlang in alle Richtungen und bestaunen die Schönheit der Alpen. Natürlich folgen wir auch den bereits ausgeschilderten Pfaden des Halbmarathons in Etappen und können uns so Gewissheit verschaffen, wie der Aletsch-Halbmarathon zu seinen Titel gekommen ist. Spätestens bei der Wanderung auf dem Grat mit Blick auf den größten Gletscher der Alpen ist man einfach überwältigt. Somit kannte ich also schon einen Großteil der Laufstrecke und wusste was mich am 24. Juni erwartet. Dachte ich, denn wir hatten ja einige Passagen weggelassen. Klar war, dass ja irgendwie die 600 Höhenmeter zwischen dem Ort und dem Bettmerhorn zustande kommen müssen und alle die Höhenmeter, die es mal zwischendurch bergab geht, auch wieder raufgelaufen werden müssen. (Insgesamt 1.050 HM).

Läufer füllten das Dorf

Am Wochenende füllte sich nun das Dorf, da der Lauf mit 2.950 Läufern ausgebucht war. Somit tummelten sich am Starttag dann Läufer aus Italien, Frankreich, Schweiz, Deutschland  aber auch aus USA und Japan auf dem Startgelände. Los ging es dann um 10:00 Uhr in 5 Minutenabständen der jeweiligen Leistungsgruppen. Um 10:10 Uhr begann dann mein „Aletsch-Halbmarathon“ durch das Dorf mit den jubelnden Zuschauern, vorbei an Kühen und Panorama bei 1.950 HM.

Aus dem Dorf heraus ging es erstmal bergab um dann über Wald- und Wanderwege eine schöne 5 km Runde durch den Bettmerwald zum Bettmersee zu laufen. Und hier kamen auch schon die ersten Höhenmeter. Nach dem Waldstück ging es charakteristisch für den gesamten Lauf „einspurig“ weiter. Soll heißen, dass tatsächlich „Überholen“ meistens bedeutete, dass man etwas zur Seite gehen musste. Dann bei km 5,5 am See und wieder an vielen Zuschauern vorbei ging es in Richtung Riederalp. Bis dahin war es ein toller Geländelauf mit auf und ab. Allerdings hochkonzentriert, da Steine und Wurzeln beachtet werden müssen.

 

Sterna Markus HM Schweiz

Sterna Markus HM Schweiz

Bei km 10 dann die erste echte Hürde. Ein Aufstieg zur Villa Cassel, den dann von uns keiner mehr lief und der einiges an Kraft kostete. Etwas Erholung gab es dann bei der Runde um den Riederalp, der mit seinen Ausblicken wieder die Schönheit der Alpen hervorhob. Faszinierend auch der Ausblick in die Tiefe auf den Stausee, soweit man schwindelfrei ist. Ansonsten schaut man lieber auf den Weg und nach vorne. Wieder vorbei an der Villa Cassel geht es dann zum Anstieg auf den Bergkamm, der auf den nächsten 10 km zum Ziel führt. Ab hier war für mich „Schwergewicht“ das Laufen grossteils vorbei. Aber zum Trost war ich nicht der einzige „Geher“, denn mit jeden 100 Metern bergauf erhöhte sich deren Zahl. Nach 2 Std und 6 Minuten stand ich dann am Aussichtspunkt bei km 16 und hatte den Blick auf den Gletscher. Fast jeder Läufer nahm sich hier die Zeit für ein Selfie und genoss diesen Augenblick. Vergessen war die Strapaze und alles andere. Dann fiel mir ein, dass 2:06 Std. meine Zielzeit beim Barbarossa Halbmarathon war und ich noch 6 km vor mir hatte. Also weiter den Grat entlang, immer den Gletscher und die majestätischen schneebedeckten Berge im Blick. Die nächsten 4 km waren lauftechnisch herausfordernd mit immer wieder etwas klettern, wieder anlaufen, gehen.

Nach insgesamt 2,5 Std und ordentlich KO gab es bei Kilometer 19 den Blick auf das Ziel. Nach oben, 300 Höhenmeter auf 2 Km und der erste Gedanke, doch lieber die letzte Seilbahn bergab zu nehmen. Aber ich wollte ja da hoch, also los! Meine Eindrücke bei km 20? Ich wollte nicht mehr. Wie Zombies, Schritt vor Schritt setzend, gemächlich und kraftlos galt es die letzten Meter zu bezwingen Und aufpassen, keinen falschen Schritt zu machen, da es bis zum Wadenkrampf nicht mehr weit war. Trotz der regelmäßigen Versorgung durch das tolle Team der Veranstalter mit Isolaten, Bananen bis hin zu Gel.

Unbeschreiblich der Zieleinlauf: die Musik, der Jubel und anfeuernde Zuschauer geben nochmal Kraft, um durch das Ziel zu kommen. Der Ansager nennt jeden Zieleinläufer und ich höre meinen Namen. Das Bettmerhorn ist bei 2.650 HM mit 3:15 Std. bezwungen, ich bin KO und zufrieden.

Fazit: Die Wahl zum „schönsten Halbmarathon Europas“ kann ich aufgrund des Panoramas sehr gut nachvollziehen. Lauftechnisch gibt es sicherlich angenehmere Läufe und der Aletsch-HM ist nichts für unerfahrene Läufer. Aber wer gerne Landschaft, Geländelauf und Herausforderung verbinden möchte, ist hier genau richtig. Übrigens für Mountainbiker (Bikes können natürlich vor Ort geliehen werden) gibt es hier den „127 km Stoneman Glaciara“ und wer einfach nur Urlaub machen möchte, wandert oder kann mit seiner mitgebrachten Angel entspannt am Bettmersee angeln (20 Franken/Tageskarte).

   

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