Kurz vor Mitternacht auf Mallorca, genau 23:32 Uhr und 37 Sekunden zeigt die Uhr an. Laura Routaboul de Brüchert-Pastor läuft mit einem strahlenden Gesicht über die Ziellinie des "Ultra Trail Mallorca Serra de Tramuntana" in Pollencia. Die Uhrzeit entspricht genau der Laufzeit, die die Athletin des PV-Triathlon Witten für die 107 km lange Strecke quer durch die Bergkette Mallorcas von Andratx unterwegs war. Schwierigste Streckenverhältnisse mit Kletterpassagen, Kälte in der Nacht und Gluthitze am Tag, Flussüberquerungen auf allen Vieren, stundenlanges Bergauf-hetzen und wieder lange Abstiege - 4.400 Höhenmeter waren zu bewältigen.
Die Athletin des PV-Triathlon Witten, die bei ihrem Extremlauf zudem einen 5 kg schweren Laufrucksack mit ihrer Ausrüstung einschließlich einem GPS-Gerät, Lampe, Wechselsachen und Rettungsdecke, auf dem Rücken trug, stand immer unter dem Druck, rechtzeitig am nächsten der insegesamt sieben Checkpoints anzukommen, um nicht aus dem Rennen genommen zu werden. An den Kontrollstellen galt es zudem, schnell den Wasservorrat für die nächsten drei bis vier Stunden aufzufüllen und etwas feste Nahrung zu sich zu nehmen.
Wegen der sehr einsamen Lage des Trails konnte Ehemann Nils Brüchert-Pastor auch nur vereinzelt mentale Unterstützung geben. Erst nach 13 Stunden, bei Kilometer 63, konnten sich die beiden das erste Mal kurz wieder sehen, dann noch zweimal im Abstand von etwa vier Stunden an den nächsten Kontrollstellen. „Das hat mir immer sehr viel Kraft gegeben“ freute sich Laura Brüchert-Pastor. Nicht erspart blieben der Extremläuferin auch einige Angstmomente in den einsamen Bergen, als zum Beispiel der Notruf nicht funktionierte und sie bangend auf einen Rettungshubschrauber wartete, der eine Mitläuferin abholen sollte. "Schwierig war auch ein einsamer steiler Abstieg, den ich im Dunkeln über 500 Höhenmeter vor mir hatte. Der herzliche Empfang im Ziel hat mich aber für vieles entschädigt!" Eine große Gruppe Vereinskameraden des PV-Triathlon, die sich zur selben Zeit auf der Mittelmeerinsel im Trainingslager befand, empfingen Laura Brüchert-Pastor im Ziel natürlich begeistert. Tatsächlich mußte sich die PVlerin dann aber kurz in Hände des Roten Kreuzes geben, die ihren abgesackten Kreislauf wieder hochbrachten. Beim gemeinschaftlichen Frühstück im Hotel am nächsten Morgen füllte Laura Brüchert-Pastor die restlichen Speicher wieder auf - nur eine unangenehme Blase unter dem Fußballen war von den Strapazen der letzten 24 Stunden zurückgeblieben. Von 27 gestarteten Frauen kamen 21 ins Ziel, Laura erreichte als Debütantin den beachtlichen 15. Platz. Insgesamt konnten nur 296 der knapp 500 gestarteten Ultraläufer die Finisherjacke verdient entgegennehmen.